Besuch der Umweltministerin in der "Hohl"

Die Sicherung und Entwicklung der "wahren Hotspots der biologischen Vielfalt" kann weitergehen. Dazu überreichte die hessische Umweltministerin Priska Hinz im Rahmen ihrer Sommertour zwei Förderbescheide in Gesamthöhe von ungefähr 40.000,00 € an die LPV Gießen. Ziel der Förderung ist der Erhalt und die Sanierung von Streuobstbeständen in den Kommunen Reiskirchen und Pohlheim.

 

 

Im Rahmen ihrer Sommertour 2022 besuchte Hinz die "Hohl" und begab sich auf einen Rundgang durch das hochwertige Streuobstgebiet am Ortsrand von Reiskirchen. Hinz betonte den besonderen Wert von Streuobst für die Biodiversität und beglückwünschte die LPV Gießen zu ihrer erfolgreichen Arbeit. Nach einleitenden Worten durch Vorsitzende Christiane Schmahl und Geschäftsführer Fabian Zech zum Projekt und den aktuellen Schwierigkeiten, wie beispielsweise die erhebliche Trockenheit der vergangenen Jahre, führte Patrick Wiedorn, als projektverantwortlicher Mitarbeiter der LPV, die Anwesenden durch das ca. 17 Hektar große Gebiet.

An verschiedenen Stationen teilten die ausführenden Akteure, die bei der LPV hauptsächlich ehrenamtlich Aktive sind, ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit den Anwesenden – so bspw. Rinderhalterin Dr. Katrin Magel, die einen Großteil der Parzellen von ihren Jungtieren beweiden lässt, Reinhard Ackermann, der lange Jahre als Ausbilder im Garten- und Landschaftsbau mit seinen Lehrlingen die Nachpflanzung und den Erziehungsschnitt  übernommen hat und Dr. Werner Hühn, der alle an seiner großen Erfahrung in der Altbaumpflege teilhaben ließ. Frau Sunna Schwarz vom Regierungspräsidium Gießen hob die Bedeutung von im Gebiet vorkommenden LRT 6510, mageren Flachland-Mähwiesen, für die Artenvielfalt hervor. Diese seien darüber hinaus Ausweisungsgrund für das FFH-Gebiet „Wieseckaue und Josolleraue“ gewesen, in welchem sich die „Hohl“ befindet.

Die LPV ist seit 2018 in der "Hohl" aktiv, um die Streuobstbestände zu erhalten, zu pflegen und zu fördern. Dazu koordiniert sie - in Einverständnis mit den Grundstückseigentümern und -eigentümerinnen - alle notwendigen Maßnahmen, wie Pflegeschnitte, Nachpflanzungen und das Wässern der Jungbäume. Die Betreuung der Arbeiten gestaltet sich besonders aufwendig, da das Gebiet in eine Vielzahl kleiner Privatparzellen untergliedert ist. Die Eigentümer und Pächter sind stets einzubinden und die geplanten Maßnahmen individuell abzustimmen. Finanziert wurden die Streuobstprojekte in Reiskirchen und Pohlheim zunächst durch die GAK (Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) und anschließend durch die Hessische Umweltlotterie GENAU. Umgesetzt werden die Arbeiten von lokalen landwirtschaftlichen Betrieben, Ehrenamtlichen und Mitgliedern verschiedenster Vereine und Gruppen.

Die Projekte werden von der lokalen Bevölkerung sehr gut angenommen, sodass in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten große Fortschritte erzielt werden konnten. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass die anhaltende Dürre der letzten Jahre den Bäumen sehr zusetzt. Als mögliche Anpassung soll in Zukunft mehr Wildobst in den Bestand eingebracht werden, da es tlw. robuster als die Kultursorten und weniger pflegeaufwendig ist.
 

Artikel erschien im Rundbrief des DVL (09/22). Susanna Flecken, Fabian Zech.

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